Liebe Ruderkameradinnen, liebe Ruderkameraden, 

mit großem Bedauern teile ich Euch mit, dass unsere langjährige Ruderkameradin und Freundin Jutta Deuschl (geborene Schausten) am 19.01.2021 in München verstorben ist. Im Alter von nur 47 Jahren verstarb sie nach schwerer Krankheit.

Eine Rennruderkarriere, die ihresgleichen sucht 

Jutta war vom Kindesalter an mit der Mülheimer Ruder-Gesellschaft und dem Mülheimer Rudersport verbunden. Schon in jungen Jahren besuchte sie mit ihrer Familie regelmäßig das Bootshaus an der Mendener Straße und verbrachte viele Sonntage an der Ruhr. Da war es nicht weiter verwunderlich, dass sie das Rudern irgendwann infizierte.

Wie die meisten Ruderer begann auch Jutta ihre Ruderkarriere in einem Gig-Boot. Damals fuhr sie u.a. mit ihrer großen Schwester Claudia im Gig-Doppelvierer. Nach ersten Versuchen im Kunststoff-Einer und dem damaligen Vorschlag des RRGM-Trainers Peter Neu, es einmal mit dem Regattarudern zu versuchen, kam Jutta schließlich zum Leistungssport. Die Mülheimer Ruder-Gesellschaft wurde ihr zweites Zuhause.

Bereits in ihrer ersten Wettkampfsaison 1989 zeigte Jutta ihr ruderisches Potential. Im leichten Juniorinnen-B-Doppelzweier ruderte sie unter der Anleitung ihres Trainers Lutz Seeger und zusammen mit ihrer Partnerin Verena Berchem auf der U17-Meisterschaft in München zur Goldmedaille. Dieser erste Meilenstein in ihrer ruderischen Karriere motivierte sie dazu, sich neuen sportlichen Aufgaben zu stellen.

Doch einfach waren die darauffolgenden Herausforderungen im Juniorinnen-A-Bereich für sie nicht. Neue starke Gegner warteten über die 2.000m-Wettkampfdistanz auf die beiden Sportlerinnen. Angetrieben durch Kampfgeist und Ehrgeiz gelang es, 1991 erneut im Leichtgewichts-Juniorinnen-Doppelzweier ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Im anschließenden Senior-B-Bereich kam als weitere Bootsklasse der leichte Vierer ohne Steuerfrau hinzu. Unter der Anleitung der RRGM-Trainer Peter Neu und Lutz Seeger errang Jutta in den Jahren 1992 bis 1994 mit wechselnden Partnerinnen zwei Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille auf den Deutschen- und U23-Meisterschaften. 

1995 sollte dann der sportliche Höhepunkt folgen. In einem neu formierten Vierer ging Jutta in dieser Saison an den Start. Nach einer Silbermedaille auf den Deutschen Meisterschaften und dem anschließenden Sieg auf der internationalen Regatta in Luzern löste ihr Team das Ticket für die Weltmeisterschaft im finnischen Tampere. Dort wurde sie mit ihrer Mannschaft hinter den USA und Großbritannien dritte und gewann damit die Bronzemedaille.

In den folgenden Jahren ruderte Jutta zu weiteren Deutschen Meistertiteln und nahm an zwei weiteren Weltmeisterschaften teil: 1996 im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuerfrau (Platz 6) und 1997 im Leichtgewichts-Zweier ohne Steuerfrau (Platz 5).

Ihre Leistungssportkarriere beendete Jutta, nachdem Sie 1999 im leichten Zweier ohne Steuerfrau noch einmal die Bronzemedaille auf der Deutschen Meisterschaft in Köln gewann. Die Monate zuvor hatte sie mit Rückenproblemen zu kämpfen und bekam Krankengymnastik, um ihre Beschwerden zu lindern. Auch hier bewies sie wieder ihren außergewöhnlichen Kampfgeist und zeigte, was sie zu leisten im Stande war.

Heute können wir auf eine beeindruckende rudersportliche Karriere zurückblicken, die auch in Juttas Heimat Mülheim an der Ruhr mit Interesse verfolgt wurde. So wurde Jutta gleich viermal zur Mülheimer Sportlerin des Jahres gekürt. In den Jahren 1993, 1995, 1996 und 1997 erhielt sie die begehrte Auszeichnung und wurde damit für ihre vielen nationalen und internationalen Medaillen geehrt.

Umzug in die Wahlheimat München 

Im Jahr 2000 zog es Jutta nach München, wo Sie auch beruflich durchstartete. Viele Jahre lang war sie als Geschäftsführerin für die Agentur LEWIS in München tätig. Im Juli 2010 heiratete sie Thomas Deuschl. Gemeinsam durfte ich die Beiden immer wieder auf Veranstaltungen in München treffen. Denn auch hier blieb Jutta dem Rudersport stets treu. Mit dem Starnberger See und der Olympiastrecke in Oberschleißheim gab es direkt zwei Ruderreviere als Anlaufstellen. Ob in ihrem Einer „MovieStar“ oder im Mannschaftsboot, für den Rudersport konnte sich Jutta immer wieder begeistern. Dies spiegelt vor allem auch ihr großes Engagement außerhalb des Ruderbootes wieder. So war Jutta u.a. auch an der Neugründung des Münchener Regattavereins im Jahr 2012 beteiligt, wo sie bis heute als stellvertretende Vorsitzende für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich war.

Aber es zog sie auch immer wieder zurück ins Boot. So konnte sie in den Jahren 2010 und 2011 weitere Erfolge als Schlagfrau des Dirndl-Achter in der Ruderbundesliga sammeln und mit ihrer Mannschaft in zwei aufeinanderfolgenden Jahren bei einer der bekanntesten Regatten, dem Head of the River Race in London, als schnellstes deutsches Boot glänzen.

Jutta Deuschl hat nicht nur die Geschichte der Mülheimer Ruder-Gesellschaft und des deutschen Rudersportes geprägt, sondern auch viele Menschen, die sie kennenlernen durften. Ihre positive Lebenseinstellung, ihre Hilfsbereitschaft und offene Art werden wir sehr vermissen. 

Unser herzliches Beileid gilt ihrem Ehemann Thomas und ihrer Familie.  

Für den Vorstand

Maik Schauenburg

 

 

Kontakt

MRG
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Mendener Straße 74
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